Der Anfang – oder wie doof klingt „Ketoazidose“

Diabetes? Wie, Diabetes? Das kriegen dicke, alte Männer mit rotem Gesicht. Männer, die schon im April schwitzen und keinen Hals haben. Aber doch kein 18 Monate altes Kind. Oder doch? Doch. Das geht.

Auch wenn dir das erstmal egal ist. Denn du bist froh, dass die Ärzte wissen, was es ist. Seit einer halben Stunde versuchen sie, deinem Sohn „einen Zugang“ zu legen. Aber sie treffen keine Vene, weil er so dehydriert ist.

Tja, dehydriert. Dabei hat er die letzten paar Tage ein kleines Schwimmbad ausgetrunken. Und wieder ausgepieselt. Drei, vier Mal haben wir ihn nachts gewickelt. Kinder sollen ja viel trinken, das ist gut. Aber das war zuviel des Guten. Ist das normal? „Machen Sie sich keine Sorgen, das Kind hat einen Infekt, da soll es viel trinken. Die Müdigkeit ist auch normal.“ Das hat Arzt Nummer Eins gesagt. Arzt Nummer zwei im Wochenend-Notdienst sagte das gleiche. Beim ersten Besuch. Beim zweiten nicht mehr, da wurde er nervös und hat den Krankenwagen gerufen. Irgendwie lustig, dass ein einfacher Zuckertest nicht zum Standard bei Kinderärzten gehört, die Kassen bezahlen das nicht. Krankenwagen alleine kostet rund 600 Euro. Notaufnahme und Intensivstation kostet noch mal extra.

Aber daran denkst du nicht, wenn du im Vorzimmer der Notaufnahme stehst und die Schwester dich nicht zu deinem Kind lassen will. Aber irgendwas in deinem Blick scheint sie zu überzeugen, als du ganz ruhig sagst: „Ich gehe jetzt zu meinem Kind.“

Normalerweise musst du als Eltern mit Kind in einem Krankenhaus vor allem eins – warten. Schwestern und Ärzte sind im besten Fall zwar nett, aber du siehst sie nur selten und verbringst eine Menge Zeit in leeren Behandlungszimmern. Dann wird geröngt (inklusive neuerlichem Warten) und dann verbunden, gegipst oder sonst irgendwas. Der halbe Tag ist weg, aber es wird schon für irgendwas gut sein.

Aber das ist alles anders, wenn die Schwestern auf einmal nervös durch die Gegend huschen. Wenn Ärzte nur noch kurz angebunden und viel Latein reden. Wenn Oberärztinnen in Fahrradklamotten an dir vorbei hetzen und sofort zur Kanüle greifen. Dann weißt du, es ist ernst. Und zum ersten Mal kommt dir der Gedanke: Scheiße, was passiert hier? Was passiert mit meinem Kind? Warum kann ich nichts tun, nicht helfen?

Es nützt nichts, du musst den Ärzten vertrauen, darauf, dass sie den Blutzuckerwert in den Griff kriegen. Die „Ketoazidose“ stoppen. Einer von vielen medizinischen Fachbegriffen, die du nie lernen wolltest…

4 Gedanken zu „Der Anfang – oder wie doof klingt „Ketoazidose“

  1. Conni

    Hallo,
    ich bin begeistert von der Site.
    Wenn ich gewusst hätte, wie es geht, hätte ich selbst mal einen BLOG
    gestartet.
    Es tut gut zu wissen, dass es Eltern mit denselben Erfahrungen gibt.
    Obwohl man sich nicht kennt, hat man ein gutes „Mitgefühl“ erlesen.
    Also: hat sich schon gelohnt, den Blog zu starten!
    Es fällt leicht es zu lesen,
    es ist so viel schwerer, es selbst zu erfahren.
    Ein sehr schöner angenehmer Schreibstil, der eine einfache Lesart erlaubt.
    Das macht es verständlich.
    Vor Monaten bereits habe ich versucht, die esten Eindrücke, die schon fast
    2 Jahre zurückliegen zu dokumentieren. Ich habe im Netz nach so einer
    Möglichkeit gesucht, sich an Gleichgesinnte zu wenden.
    Danke,
    Mausi war 20 Monate alt bei Erstmanifestation…
    Wie lang ist Eure her?

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  2. admin Beitragsautor

    Hi!
    Danke für den Kommentar.
    Bei uns ist es 4 Monate her, unser Sohn war auch 20 Monate alt.

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  3. Caro

    Hallo,
    tolle Seite mit einem wirklich guten Schreibstil.
    Schön zu wissen, wie andere Familien den Diabetes ihres Kindes er-leben und das es doch so ähnlich bzw. genau so ist! (Das mit dem Hanuta wußte ich noch nicht….., wir nehmen immer die Traubenzuckerplättchen!)

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  4. admin Beitragsautor

    Hanuta wirkt auch sehr verzögert, weil da viel Fett und noch Eiweiß drin ist. Wir schätzen den Wirkeintritt auf ungefähr eine halbe Stunde. Also nichts für die akute Behandlung einer Hypo!
    Klappt bei uns aber ganz gut, wenn wir viel unterwegs sind und der Kleine kontinuierlich Zucker braucht, beim Wandern, Toben, etc.

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