Standardfragen…Standardantworten

Vermutlich ist das bei allen so, die eine chronische oder schwere Krankheit haben/hinter sich haben: Jeder will was wissen. Wenn sie sich zu fragen trauen. Viele fragen auch lieber nix, es ist ihnen peinlich, sie können schwer damit umgehen.

Das ist verständlich.

Es ist unangenehm, es macht keinen Spaß, über so ein Thema zu reden. Es geht über den belanglosen Small-Talk hinaus, mit dem wir uns täglich abspeisen. Es erfordert ein gewisses Maß an Beschäftigung mit dem Thema.

Als Betroffener – zumindest als betroffenes Elternteil – muss ich mich noch daran gewöhnen. Wie soll ich mit den Leuten umgehen? Wem erzähle ich von der Krankheit, die unser Familienleben verändert? Behalte ich es für mich, sage ich es keinem? Oder erzähle ich jedem ungefragt die ganze Geschichte?

Vermutlich eine Sache der Persönlichkeit, jeder geht anders damit um. Auch die Entscheidung, die Geschichte mit diesem Blog öffentlich zu machen, war nicht leicht.

Auf der einen Seite hat es etwas Befreiendes: Ich kann darüber reden, kann die Zusammenhänge und Hintergründe erklären. Kann andere Menschen aufklären, vielleicht anderen helfen. Mich vielleicht rechtfertigen? Für Dinge, die ich – zumindest mit der Krankheit als Ausrede – nicht mehr mache? Vielleicht. Es ist verführerisch, den Diabetes und die größere Belastung als Ausrede – vor allem für sich selbst – zu benutzen.

Auf der anderen Seite habe ich aber auch keine Lust, zum x-ten Mal alles zu erklären. Nein, das ist nicht wie „bei dem Kollegen, der spritzt sich das Insulin so Pi x Daumen“. Ja, das bleibt für immer.  Nein, er kann alles essen, muss nur aufpassen. Ja, auch nachts müssen wir messen (mein Favorit ;-). Ja, wir müssen alles abwiegen, auch hier im Restaurant.

Eine zwiespältige Sache, die auch von meiner Tagesform und meinen Gesprächspartnern abhängt.

Am liebsten sind mir Kinder. Die fragen offen und ehrlich, machen nicht gleich ein betroffenes Gesicht, als würde die Welt untergehen und akzeptieren die Krankheit einfach. Kein Mitleid, aber auch keine Ausgrenzung.

Das nennt man wohl Inklusion. Da können sich viele Erwachsene eine Scheibe von abschneiden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *