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Teststreifen, Lancetten, Messgeräte, Batterien, Pflaster und alles mögliche andere. So sieht der „Medizinschrank“ aus, da sammelt sich ganz schön was an in kurzer Zeit.

 

 

Ob du richtig bist oder nicht, sagt dir gleich das Licht…

… das Licht im kleinen Display des Messgeräts. Zwei oder drei Ziffern, bestehend aus grauen Flüssigkristallen, sagen dir, ob du alles richtig oder alles falsch gemacht hast. Wie beim Lotto. Sie zwingen dich zu reagieren. Dabei ist es ganz sicher keine exakte Wissenschaft. Vieles lässt sich erst im Nachhinein erklären, über einiges kannst du nur spekulieren.

Aber das ist für den Moment egal. Denn du lebst für den Moment, lebst für den guten Zuckerwert deines Kindes. Der ganze Alltag dreht sich um Zuckerwerte, Insulin, Spritzen. Wann müssen wir die Nadel wieder wechseln, haben wir genug Lancetten für den Pieks-Stift, brauchen wir ein neues Diabetes-Tagebuch.

Die ohnehin schon absurd lange Ausrüstungsliste für Tagesausflüge mit einem vier- und einem eineinhalbjährigen Kind wird nochmal um einiges länger: Waage, Taschenrechner, BE-freie Knabbergemüse gegen Überzuckerung, alle möglichen Süßigkeiten gegen Unterzuckerung, Notfallspritze und eine  Menge weiterer Kram. Teilweise sieht dein Rucksack aus wie eine Erste-Hilfe-Tasche vom Roten Kreuz.

Aber du schaffst ihn, den Alltag. Du schläfst nicht, weil du nachts messen musst, aber du schaffst den Alltag. Du kennst den BE-Wert der meisten Lebensmittel bei euch zuhause, und du kannst schon mit bloßem Auge 20 Gramm Brot abmessen (1 BE). Ungefähr so wie Indiana Jones, als er im Film die kleine Statue vom Sockel nimmt und als Gegengewicht einen Sack Sand darauf legt, den er vorher per Augenmaß abgewogen hat. Naja, bei Indy hat’s nicht ganz geklappt.

Bei dir auch nicht immer. Du machst auch Fehler. Berechnest die BE falsch, nimmst den falschen Faktor, korrigierst zu früh. Wachst schweißgebadet auf, weil du mitten in der Nacht nicht den Wecker für die nächste Messung gestellt hast. Panisch misst du, Glück gehabt, nix passiert, Werte normal.

Weiter geht’s…

Gewöhn dich dran, das ist jetzt Alltag

Je länger du mit der Krankheit lebst, desto routinierter wirst du. Die Fehler werden seltener, die Werte stabiler. Es ist wie in einem Lehrberuf, sogar mit Berichtsheft. Nur gibt es keine Prüfung, keine Lossprechung, keinen Gesellenbrief. Der Job ist fürs Leben, zumindest so lange, bis die Kleinen alt genug und selbst für ihr Leben verantwortlich sind.

Dann denkst du an all die Sachen, die du mit dem Kleinen machen wolltest. Im Wald zelten, Sandburgen am Strand bauen, natürlich die Carrerabahn aufbauen, die du selber immer haben wolltest. Du willst sonntags am Spielfeldrand stehen, wenn er Fußball spielt, willst ihn anfeuern oder trösten, wenn er verloren hat.

Und das wirst du. Du fasst einen Entschluss. Ja, dein Kind ist krank, chronisch krank. Und das wird dich nicht davon abhalten, ihm genau die schöne Kindheit zu ermöglichen, die er verdient hat. Er soll wie alle Kinder herumtoben, Sport machen, Eis essen, Schokolade naschen. Dein Job ist es, darauf zu achten, dass er das tun kann.

Denn er ist ein Kind. Nicht nur irgendwelche Werte, die vom Display ins Zuckertagebuch wandern. Nicht nur Hypoglykämie oder Hyperglykämie. Nicht nur BE, mg/dl, mol, Korrekturfaktoren und Ketonwerte. Es ist dein Kind, mit seinem eigenen Charakter, guten und schlechten Seiten. Das darfst du nie vergessen.

Die Verantwortung für dein Kind hattest du schon vorher. Es ist jetzt nur ein bisschen komplizierter geworden.

 

Jetzt geht’s los

Dieses Weblog befasst sich mit dem Thema Diabetes mellitus Typ 1. Also Zuckerkrankheit bei Kindern und Jugendlichen, vor allem Kleinkindern.

Hier schreiben betroffene Eltern für Betroffene.

Es wird ausschließlich über persönliche Erlebnisse berichtet. Hier findet keine medizinische Beratung statt. Jeder ist selbst für die Therapie verantwortlich. Für medizinische Ratschläge gibt es Ärzte, die das besser beurteilen können.

Über das Medizinische hinaus gibt es aber eine Fülle an Informationen, Fragen und Meinungen zum Thema Diabetes Typ 1, die wir einfach mal ins Netz stellen wollen.

Wir wünschen euch viel Spaß bei der hoffentlich informativen, manchmal berührenenden aber hoffentlich viel öfter unterhaltsamen Lektüre dieses Blogs!